Die 13 schlimmsten Fehler bei Produktfotos

 in Verkäufer-Tipps

Aus den Erfahrungen von mehr als 300 Gewerbekunden in der Werbefotografie wollen wir Ihnen hier die dreizehn wichtigsten kostenlosen Tipps für erfolgreiche Produktfotos im Onlinehandel geben.

Aber bevor wir zu den schlimmsten Fehlern kommen, sollten wir zunächst mal definieren, wie denn ein vorbildliches Produktfoto aussehen sollte: hell, klar, scharf, kontrastreich und vorteilhaft dargestellt.

  1. Kein reinweißer Hintergrund

    Foto und Hintergrund zu dunkel

    Hintergrund nicht weiß genug

    Hellgraue statt 100% weiße Hintergründe sind ein untrügliches Zeichen für Hobbyfotos. Ihr potentieller Kunde sieht sofort, dass Sie die Kosten gescheut haben, einen professionellen Fotografen für Ihre Produktfotos zu beauftragen. Reines Weiß für den Hintergrund wir definiert als RGB Werte von R=255, Grün=255 und Blau=255. Der Farbauftrag bei CMYK Druckfarben ist entsprechend Cyan=0, Magenta=0, Yellow=0 und Black=0. Ihr Verkaufsangebot leidet unter falschen Weißwerten mehr, als Sie denken. Wer will schon auf schlechte oder mittelmäßige Fotos klicken? Es soll blütenweiß sein, nicht weniger! Fotografisch lässt sich das nicht immer erzeugen, oft genug kommt man nur mit einer manuellen Freistellung (Ausschneiden) ans Ziel und dem Ersetzen des vorhandenen Hintergrundes durch Weiß.


  2. Die Farben stimmen nicht mit dem Produkt überein

    Farbstich im Foto

    Falsche Farben im Foto

    Natürlich nutzt jeder Kunde einen anderen Monitor, Tablet oder Smartphone. Dennoch ist es technisch möglich mit kalibrierten Farben eine gute und reale Farbwiedergabe auf allen Endgeräten zu erreichen, Stichwort Weißabgleich. Eine korrekte Darstellung der Farben reduziert die Reklamationsquote und verbessert das online Einkaufserlebnis für Ihre Kunden. Die meisten Internetbrowser lesen keine Farbprofile aus, daher wird man immer unterschiedliche Farbdarstellungen auf den Geräten sehen. Ein fachkundiger Fotograf stellt aber zumindest sicher, dass die Farben im sRGB Profil auf seinem kalibrierten Monitor stimmen. Es wäre allerdings eine Illusion zu glauben, dass die Hersteller der Displays sich auf einen Standard einigen werden. Gehen Sie doch mal ganz bewusst in den Elektro Fachmarkt und schauen Sie sich die Wände voller Computer Monitore und Fernseher an. Alle sehen in der Klarheit und den Farben anders aus.


  3. Zu geringe Schärfentiefe

    unscharfes Foto

    Schärfentiefe reicht nicht aus

    Ein weiterer Fehler bei Produktfotos ist die fehlende Schärfe über den gesamten Bereich des Produktes. Oft sieht man, das die Fotos der Verkaufsartikel nur im vorderen Bereich ausreichend scharf sind. Im hinteren Bereich sind sie oft unscharf. Bis auf wenige Ausnahmen bei Werbefotos, Postern und Webseiten-Bannern ist dies nicht erwünscht. Vielmehr ist es bei Freisteller Aufnahmen vor weißem Hintergrund ein klarer technischer Mangel. Kreativität ist hier nicht gefragt, sondern eine klare, neutrale und scharfe Darstellung von vorne bis hinten. Einfluß auf die Ausdehnung der Schärfentiefe haben der Objektabstand zur Kamera, die Arbeitsblende (F-Zahl), die Brennweite im Millimetern und die Sensorgröße der Kamera. Bei zu geringer Schärfentiefe kann man mehrere Fotos mit der Fokus Stacking Methode überlagern und zusammen rechnen. Das finale Bildergebnis ist dann ein scharfes Foto über das ganze Produkt bis zur letzten hinteren Kante oder Ecke.


  4. Belichtung und Beleuchtung nicht optimal

    Wenn das Bild etwas zu hell oder zu dunkel ist, stimmt die Gesamtbelichtung nicht. Anders ist es bei der Beleuchtung, also dem richtigen Licht. Ein guter Fotograf macht das Bild nicht einfach nur hell. Er setzt die Artikel in das richtige Licht. Er wählt die Art der Lichtformer, die Anzahl der eingesetzten Lichtquellen und den Beleuchtungswinkel jeweils optimal passend für das jeweilige Produkt. Niemals kann man mit dem selben Licht-Setup für verschiedene Produkte gleich gute Ergebnisse erzielen. An dieser Stelle scheitern auch alle maschinellen Fotoautomaten mit fester und inflexibler Beleuchtung. Glas, Schmuck, Haushaltsgegenstände oder Schuhe erfordern völlig unterschiedliche Studiobeleuchtungen und ein Lichtzelt ist hier auch wenig hilfreich.


  5. Das Material ist nicht eindeutig erkennbar

    Die Material- und Oberflächenvielfalt ist schier unendlich. Daher muss der Kunde neben der Farbgebung stets auf den ersten Blick das Material des Artikels genau erkennen können.
    Ist das Aluminium gebürstet oder lackiert?
    Ist der Stoff eher grob oder feingewebt?
    Glänzt die Oberfläche oder ist sie matt und stumpf?
    Handelt es sich um Glattleder oder genarbtes Leder?
    Ist der Artikel weich oder hart?
    Sind aufgedruckte Marken und Beschriftungen gut lesbar?


  6. Fehlende Detailfotos

    Fotomonatge einer Kulturtasche Collage

    Umfangreiche Darstellung eines Produktes

    Wenn Produkte gekauft werden, wollen die Käufer sie von allen Seiten und mit allen Details sehen. Schließlich können sie diese ja online nicht in die Hand nehmen und anfassen. Von daher ist nur ein Produktfoto selten ausreichend. Wie ihre Ware von unten oder hinten aussieht, kann man auf dem ersten Foto in der Regel nicht erkennen. Zusätzliche Nahaufnahmen zeigen Materialien auch ohne Zoomfunktion auf allen Plattformen vergrößert an.


  7. Ungünstige Perspektive oder Darstellung

    Es geht ja darum Fehler bei Produktfotos zu vermeiden Der vorteilhafteste Bildwinkel ist bei jeder Sachaufnahme anders, je nach Form und Beschaffenheit des Objektes. Ein beliebter Standard ist hier die Dreiseiten-Ansicht. Gerade bei neuartigen Produkten macht es Sinn, die besonderen Eigenschaften hervor zu heben. Anwendungsbeispiele können einen sehr guten Eindruck erzeugen und ohne Text kommunizieren. Hier ist auch insbesondere die Wiederholgenauigkeit bei vielen ähnlichen Artikeln wichtig. Eventuell ist der Artikel auch zu klein und mit zu viel Rand dargestellt.


  8. Falsche Bildgröße hochgeladen

    Auf den meisten Verkaufsplattformen werden die Fotos beim hochladen automatisch komprimiert. Darauf hat man leider keinen Einfluss, weder bei Amazon, eBay noch Facebook. Man sollte aber möglichst die beste Webversion hochladen, die zur Verfügung steht. Hoch auflösende Druckversionen brauchen nicht verwendet zu werden.


  9. Bildrichtlinien nicht beachtet

    Große Verkaufsportale wie Amazon, Zalando und eBay haben eigene Vorschriften, wie die Verkaufsfotos auszusehen haben. Das gilt für die Einbettung von Logos, die Farbe der Hintergründe und die Anzahl der möglichen Produktbilder. Fotomontagen, Schriftzüge oder kreative Hintergründe sind für das erste Artikelfoto in der Regel nicht erlaubt, ab dem 2. Foto aber schon.


  10. Urheberrechte und Nutzungsbedingungen nicht beachtet

    Der Fotograf ist immer der Urheber eines Lichtbildwerkes. Er räumt dem Auftraggeber entsprechende Nutzungsrechte ein. Leider gibt es Fotografen, die diese Rechte auf das Land, die Dauer oder das genutzte Medium beschränken. Mit dem Hochladen eines Fotos zum Beispiel bei Amazon müssen Sie der Plattform aber weitgehende Nutzungsrechte einräumen. So können sich Anbieter des selben Artikels an Ihr Angebot dranhängen. Ob Sie das als Verkäufer  gut oder gerecht finden, ist eine andere Sache, bei Amazon ist das aber Pflicht.


  11. Keine oder schlechte Retuschearbeiten

    Fehler bei Produktfotos Retuschen

    Vergessene Bildbearbeitung bei Verkaufsfotos

    Jede hochauflösende DSLR Fotokamera sieht wesentlich mehr, als das menschliche Auge. Da es aber keine völlig makellose Produkte gibt, sind Retuschearbeiten immer erforderlich. Feine Kratzer werden entfernt, Flecken gestempelt und Staubkörner retuschiert. Ist Ihr Artikel nicht perfekt, dann wirkt das nicht besonders natürlich, sondern unprofessionell.


  12. Ungünstiger Dateiname

    420 24453.jpg ist sicherlich ein Dateiname, den sie intern für sich als Artikelnummer oder Typenbezeichnung erkennen und zuordnen können. Das Internet, bzw. Google kann hier jedoch nichts heraus lesen. Wenn Sie wollen, dass ihre Produktfotos auch in der Bildersuche von Google angezeigt werden können, ist ein Dateiname wie Sportschuhe-Adidas-Herren-rot-Runner.jpg viel aussagekräftiger und hilft den Bot der Suchmaschinen beim erkennen der Fotos.


  13. Mangelnde Vorbereitung der Produkte

    Für eine optimale Ansicht der Artikel sollten Folien von Displays entfernt werden, Aufkleber ebenfalls. Falls ein Mensch schon mal die Sachen in der Hand hatte – was sehr wahrscheinlich ist – sollten Fingerabdrücke vor der Fotografie entfernt werden. Danach fasst man die Artikel natürlich nur noch mit Baumwoll-Handschuhen an. Stoffe sollten gebügelt werden, weiche Materialien in Form gebracht werden.


Das vorbildliche Produktfoto ohne Fehler

Fachgerechtes Fotografieren

Vorbildliches Produktfoto

Hier wollen wir mal eine fachgerechte Objektaufnahme charakterisieren. Damit dieses Äffchen auch möglichst positiv und vorteilhaft dargestellt und vom potentiellen Kunden angeklickt wird, haben wir es auf Augenhöhe mit der Kamera fotografiert. So wirkt das Stofftier größer und schafft direkten Blickkontakt mit dem Bildbetrachter. Der Hintergrund ist so reinweiß, wie mit dem besten Waschmittel gewaschen. Das Fell ist scharf und man erkennt auch auf schlechten Monitoren noch die einzelnen Haare. Die pinkfarbene Sonnenbrille glänzt und die Lichtformer spiegeln sich darin. Die Augen sind klar und man erkennt sofort die blau-grüne Augenfarbe. Die Haut ist glatt und glänzt und man erkennt sogar noch die Falten rund um die Augen. Selbst die Fingernägel und Zehennägel kann man erkennen, was auf einen hohen Detailgrad und gute Qualität des Tieres schließen lässt. Die Schrift auf dem Anhänger ist ebenfalls gut zu lesen.

Diese beschriebenen Produkteigenschaften können unsere Augen und Gehirn innerhalb von Millisekunden wahrnehmen und verarbeiten. So können wir extrem schnell entscheiden, ob wir woanders hin klicken oder mehr Infos zu diesem Produkt wünschen.

Wenn diese Tipps bei der Produktfotografie beherzigt werden – ein Profi tut das so wieso – dann ist die Grundlage für den Verkaufserfolg gelegt.

 

Gruß Marco Wydmuch

(Inhaber Glamourpixel Fotodesign)

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