Das große 300 dpi Missverständnis

Druckauflösung 300dpi 72ppi

Wir brauchen die Fotos in 300 dpi und 72 dpi!

Diese Anforderung höre und lese ich leider regelmäßig von unseren Kunden, weil sich das so über die Jahrzehnte in den Köpfen festgesetzt hat. Aber STOP! So einfach ist das leider nicht !
Früher wurde ja noch viel gedruckt und die meisten Drucker haben die Farben in einem 300dpi Raster zu Papier gebracht. Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert und die Technik hat sich weiterentwickelt.
300 dpi Foto Einstellungen
300 dpi sind nur Einstellungen im Digitalfoto

Ein Relikt aus analogen Zeiten, das im Kopf bleibt

Jetzt sind Angestellte aus Werbeagenturen oder Drucker ja keine Fotografen und müssen ja trotzdem ihre Anforderungen für eine gute Darstellung der Fotos und Grafiken an den dienstleistenden Fotografen mitteilen, das ist ja auch notwendig.

Drucker erzeugen Dots, Monitore erzeugen Pixel

Hochwertige Drucker können mehr als 1000 Tintentropfen pro Inch erzeugen. Moderne können Bildschirme dagegen nur 200 Pixel pro Inch bei Desktop-Rechnern oder 420 Pixel bei Smartphones und Tablets.

Analoge Kleinbildfilme in 36 x 24mm hatten früher noch kein Raster

Damals waren es noch eine chemische Entwicklungen in der Dunkelkammer. Ein Kleinbildfilm hatte eine geschätzte Bildqualität von 10 bis 12 Megapixel, wenn man sie mit modernen Fotoapparaten vergleicht. Eine heutige digitale Vollformat-Kamera erreicht 20 bis 50 Megapixel. Es geht noch mehr, das möchte aber kaum ein Kunde bezahlen.

Dots per inch (dpi) oder Pixel per inch (ppi)

Ein amerikanischer Inch oder englischer Zoll, sind 2,54cm. Das Maß pro Inch beschreibt also, wie fein oder grob das Raster innerhalb von einem Inch ist. Das gilt für Monitore oder Drucksachen genau so. Bei 300dpi werden somit 300 Tintentropfen innerhalb dieser 2,54cm in einer Reihe gedruckt. Hört sich viel an, ist es aber (nicht) mehr.

Wofür ist das Foto denn gedacht, Print oder Web?

Grundsätzlich benötigen Printmedien mehr Bildinformation, als eine Darstellung auf einem Bildschirm, weil die Druckauflösung feiner ist. Ausgenommen sind hier sehr großformatige Plakate, die oft nur mit 150 dpi oder weniger gedruckt werden. 300 dpi ist schon eine sehr gute Qualität. Bei Messe-Postern oder Autobahnplakaten hat man ja auch einen sehr großen Betrachtungsabstand. Durch diesen Abstand kann das Druckraster nicht mehr vom Auge wahrgenommen werden.

Was können Bildschirme darstellen?

Zu Zeiten, als noch analog fotografiert wurde, konnten Monitore 72 Pixel pro Inch darstellen. Ja, das waren diese furchtbaren Röhren-Monitore, die unsere Augen noch mehr ruiniert haben. Erst mit den Flachbildschirmen stieg die Auslösung auf 100, 120, 150, 200 ppi. Mein aktueller 27 Zoll Monitor (diagonal gemessen) ist von der Bildfläche 60cm breit, was 23,6 Zoll/Inch entspricht. Dieser brandneue Apple Monitor hat eine 5K Auflösung – genau kann er 5120 Pixel in der Breite abbilden. Wenn man die 5120 Pixel nun durch die 23,6 Zoll teilt, erhält man eine Auflösung von sage und schreibe 217ppi. Das ist sehr gut!
Allerdings: Moderne Smartphones bieten schon Auflösungen von 400ppi und mehr, sind aber wesentlich kleiner.

Folgerung: Eine Digitalkamera kann keine dpi erzeugen!

Jede Digitalkamera erzeugt Pixel, keine Tintentropfen (dots). Allein das zeigt schon, wie unsinnig eine Qualitätsanforderung in dpi an den Fotografen ist. Die Dots werden erst sehr fein (z.B. 1200 dpi) oder grob gerastert (zB. 150dpi) auf das Druckmedium gebracht. Was dies für die Anforderungen bedeutet, wird im Folgenden erklärt.

72 dpi gibt es eigentlich nicht!

Da staunen Sie jetzt aber, was? Eigentlich meinen Sie mit einer 72 dpi Qualität ja eine Webversion, oder? Nun, zum Glück sind die Monitore ja in den letzten 20 Jahren viel besser geworden. Seien Sie froh, dass Ihr Monitor schon weit mehr als 72 dpi hat? Ja und ein Druck in 72 dpi würde Sie auch nicht vom Hocker hauen. Also vergessen Sie das am besten mal und sagen Sie dem Fotografen, welche Bildgröße in Pixeln Sie für die Internetversion des Fotos haben möchten.

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Die Wahl des Ausgabemediums

Die Qualitätsanforderungen sind sehr unterschiedlich. Sie können nicht alle mit einer einzigen Bilddatei abgebildet werden. Daher sollte man sich klar darüber sein, wie und wo die Aufnahmen gezeigt werden sollten. Falls eine Eingrenzung des Verwendungszwecks zum Zeitpunkt der Auftragserteilung an den Fotografen noch nicht möglich ist, nimmt man die volle Qualität. Diese kann in jedem Fall auch später wieder herunter gerechnet werden, was zu kleineren Dateigrößen führt.

Was brauche ich für Online-Shops wie Amazon und Co.?

Die Qualitätsanforderungen sind sehr unterschiedlich. Sie können nicht alle mit einer einzigen Bilddatei abgebildet werden. Daher sollte man sich klar darüber sein, wie und wo die Aufnahmen gezeigt werden sollten. Falls eine Eingrenzung des Verwendungszwecks zum Zeitpunkt der Auftragserteilung an den Fotografen noch nicht möglich ist, nimmt man die volle Qualität. Diese kann ich jedem Fall auch später wieder herunter gerechnet werden, was zu kleineren Dateigrößen führt.

Aus einer Printversion lässt sich eine Webversion erzeugen

Umgekehrt geht das leider nicht, da eine Webversion viel weniger Bildinformationen (Pixel) besitzt, als eine hochauflösende Printversion. Wenn Sie im Zweifel noch nicht genau wissen, wo die Produktfotos überall eingesetzt werden sollen, buchen Sie besser die etwas teurere hohe Printauflösung der Datei, aber das schrieb ich ja bereits.

Die Ausgabequalität einer Digitalkamera nennt sich Bildgröße

Die Bildgröße wird in Pixel der Breite und Höhe angegeben. Ein Foto mit zum Beispiel 3000 Pixeln Breite und 2000 Pixeln Höhe kann bei 100% Zoom nur von guten Monitoren vollformatig abgebildet werden.

Große Fotos sind schön!

Aber wie groß genau sollen Sie denn sein? Nur wenn sie das genau wissen, können Sie die Eignung der Fotos prüfen. Sagen wir mal, Sie wollen ein schönes Foto in 60 x 40cm als Poster drucken. Ihre Druckerei druckt die Poster zu Beispiel in 300 dpi Druckauflösung. Leider müssen wir jetzt wieder in Inch umrechnen. Das Poster hat dann also 23,6 x 15,7 Inch. Wenn wir also 300 dpi Bildpunkte pro 2,54cm drucken wollen, muss unser Digitalfoto eine Bildgröße von 7080 x 4710 Pixel aufweisen, das sind etwas über 33 Megapixel und eine entsprechend große Datei mit wahrscheinlich mehr als 10 Megabyte Speicherbedarf. Darunter wird das Poster keine optimale Schärfe haben. Für die Betrachtung sollten Sie einen Abstand der dreifachen Bilddiagonale von Bild entfernt sein und nicht mit der Nasenspitze direkt davor ;-)
So, wie bei einem Fernseher.

Unterschiedliche Qualität in der Darstellung

Die Bildgröße in Pixeln ist nur eines der wesentlichen Qualitätskriterien. Die Beleuchtung, die Farben, Schärfe und Bildidee haben ebenfalls erheblichen Einfluss.

Warum sind Fotos auf Monitoren unterschiedlich groß?

Erste Voraussetzung ist, das beim Vergleich auch die selben Zoomstufen eingestellt sind. Denn selbst bei einem Internetbrowser kann man Text und Fotos vergrößern oder verkleinern. So, wie bei Word, Excel und Co. auch. Nun, wenn die zu vergleichenden Monitore auf 100% Zoom eingestellt sind, dann wird der Monitor mir der höheren Auflösung das selbe Bild kleiner anzeigen, weil er ja mehr Bildpunkte pro Zoll abbilden kann. Die Bildpixel sind ja enger zusammengerückt. Bessere Monitore zeigen also kleinere Fotos. Klingt paradox, ist aber logisch. Alte Bildschirme zeigen die Fotos aufgrund der sehr groben Rasterung deutlich größer an.

Der Unterschied zwischen Auflösung und Bildgröße

Halten wir also fest, das Kameras immer Fotos in einer bestimmten Bildgröße erzeugen. Die Auflösung in ppi oder dpi ergibt sind immer erst beim Betrachen auf einem Ausgabemedium. In Werbeanzeigen wird die Qualität von Digitalkameras oft mir einem Megapixel-Wert angegeben. Das ist die Multiplikation von Bildbreite und Bildhöhe in Pixeln.
Qualität eines 300 dpi Fotos

Körperfarben (CMYK) und Lichtfarben (RGB)

Den Unterschied kann man recht einfach erklären. Wenn man RGB Lichtstrahlen mischt, dann werden sie heller. Der Schnittpunkt zweier Taschenlampen ist immer heller, als die Einzellampen. Wenn Rot, Grün und Blau Lichter im richtigen Verhältnis gemischt werden, entsteht Weiß. Photoshop hat das alles dankenswerter Weise umgerechnet und wir müssen die drei Farben einfach auf den Wert 255 stellen, um Weiß zu erhalten.
Genau umgekehrt ist es bei chemischen Körperfarben. Je mehr Farben man mischt, desto dunkler wird das Ergebnis. Mischen Sie doch mal hier ebenfalls Rot, Grün und Blau im Farbeimer zusammen und Sie werden sich wundern, was für eine braune Pampe das ergibt. Damit es keinen allzu großen Unterschied zwischen den RGB Fotos aus der Kamera mit dem CMYK Ausdrucken gibt, wandelt ein Druckertreiber die Farbaufträge entsprechen um.

Pixel sind quadratisch, Tinten-Tropfen sind rund

Eckige Pixel kann man auch wunderbar ohne Zwischenräume auf den Monitoren anordnen. Tropfen sind dagegen immer rund. Zumindest, wenn mit Flüssigkeiten gerduckt wird. Damit das Auge die Zwischenräume der Tintentropfen nicht wahr nimmt, müssen diese also enger zusammenliegen, als bei Monitoren.

Warum steht die dpi-Zahl in den Metadaten eines JPG?

Das ist eine wirklich sehr gute Frage, die eigentlich immer zu Verwirrung führt. Dazu muss man wissen, dass dieser Wert nicht berechnet ist, sondern ein einfaches Textfeld ohne Bedeutung. Als Fotograf könnte ich dort einen beliebigen Wert eintragen, da er allenfalls eine Notiz ist. Die meisten Kameras tragen hier auch einen Wert ein, der allerdings nichts mit der tatsächlichen Qualität des Fotos zu tun hat. Sie wollen ein Foto mit 5.000dpi statt mit 300dpi? Kein Problem, das bekomme ich hin!

Beispiel: Eine typische Webversion in 1500 x 1500 Pixel

Ein typisches Foto kann in dieser Bildqröße auf den meisten Monitoren, Tablets und Smartphones groß dargestellt werden. Wenn es nicht zu stark komprimiert ist, dann ist auch die Qualität gut bis sehr gut. Will man auf einem hochauflösenden 5K Monitor diese Foto formatfüllend ansehen, ist diese Bildgröße nicht mehr gut genug. Für den Büromonitor ist das aber sogar mehr als ausreichend.

Beispiel: Eine typische Druckversion für ein Poster ist 300 dpi auf 20 x 30cm

Wie Sie sehen, habe ich hier nicht nur die Druckauslösung angegeben, sondern auch die Ausgabegröße des Posters. Die Größe entspricht ja ungefähr einem DIN A4 Blatt.
Als Fotograf weiß ich nun, dass ich für einen optimales Druckergebnis eine Datei von 2361 x 3543 Pixel oder mehr hochladen muss. Zuvor habe ich es entweder manuell von Zentimeter in Inch umgewandelt, oder habe diese Berechnung Photoshop überlassen.

Bildformat und Dateiendungen .JPG, .TIF, .PNG, .PSD, .EPS, .PDF…

Es gibt sicherlich an die 20 verschiedene Dateiformate (Endungen), von denen ich hier aber nur die wichtigsten aufzählen möchte.
JPG (JPEG) ist das weltweit am meisten verbreitete Format und kann von allen fotoverarbeitenden Geräten angezeigt werden. Es ist verlustbehaftet und kann in verschiedenen Stufen komprimiert werden, was für kleinere oder größere Dateien sorgt.
TIF wird meist unkomprimiert verwendet werden und benötigt ein vielfaches des Speicherplatzes von JPG.
PNG eignet sich sehr gut für Grafiken und unterstützt auch einen transparenten Hintergrund.
PSD ist das Format des Bildbearbeitungsprogrammes Adobe Photoshop und speichert alle Ebenen und Effekte verlustfrei. Diese Format verwenden Fotografen für interne Zwecke. Für den Kunden werden in der Regel Formate wie JPG aus der PSD Datei exportiert.
EPS ist ein Druck- und Vektorformat, das verlustfreie Vergrößerungen von Grafiken erzeugen kann. Für die Erstellung und Bearbeitung ist Adobe Illustrator erforderlich.
PDF ist ein druckfähiges Dokumentenformat, das auch für Formulare verwendet wird. Es ist ein reines Ausgabeformat zum Lesen, nicht für die Bearbeitung. Aus Microsoft Word Dateien werden sehr oft PDFs erstellt.

Sind Sie jetzt schlauer was 300 dpi angeht? Falls nein, habe ich das wohl doch schlecht erklärt 😉

Vielleicht erklärt das mein Kollege in diesem Video ja besser.

Gruß Marco Wydmuch

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