44 Profi-Schärfetipps für knackscharfe Fotos

  • 44 kostenlose Fotografentipps für optimale Fotos
  • Erstellen Sie knackscharfe Fotos direkt aus der Kamera!
  • Gebrauchsfertige Fotos ohne Nachbearbeitung mit Photoshop
  • Lernen Sie vom Profi – einem Berufsfotografen

Definition: Ein Foto kommt direkt aus der Kamera und ist unbearbeitet, ein Bild kommt nach Korrekturen und Veränderungen aus der Bildbearbeitung.

Werbefotografie für Gastronomie Restaurant Peperoni

Technisch scharfe Fotos zu erzeugen ist nicht allein eine Frage der Kamera, sondern es gibt komplexe Zusammenhänge, die in der Gesamtheit einen deutlichen Unterschied machen, zwischen matschigen, unscharfen und verwaschenen Fotos in der 100%-Ansicht und wirklich knackscharfen Fotos. Viele Fotografen oder die, die es mal werden wollen, versuchen mangelnde Schärfe durch aggresiven Einsatz der Unscharf- Maskieren-Funktion oder dem massiven Einsatz des selektiven Scharfzeichners in Photoshop zu beheben. Leider hat diese Art der Bildrettung oft einen zerstörerischen Effekt, weil er harte Kanten, Artefakte und unschöne Schärfesäume erzeugt. Lesen Sie, wie Sie selbst viel schärfere Fotos erzeugen können und somit Ihre Fotoqualität aus der Kamera erheblich steigern können.

1. Die richtige Fokussierung auf das Motiv

Trotz Gesichtserkennung und Autofokus rastet der Fokus nicht immer am gewünschten Motivpunkt ein, speziell bei Motiven mit geringem Kontrast oder schlechten Lichtverhältnissen. Daher sollten Sie immer selbst entscheiden, wohin Ihre Kamera fokussieren soll. Dazu können Sie je nach Modell auf den Touchscreen tippen, manuell fokussieren oder den Autofokuspunkt bei DSLRs auf das gewünschte Motiv setzen.

2. Die Kamera ruhig halten und atmen wie ein Schütze

Um Verwacklungsunschärfe auf Fotografenseite zu vermeiden, sollte man stets ganz in Ruhe seinen Fotoapparat halten und bewusst und langsam atmen. Das bringt Ruhe, denn Hektik ist kontraproduktiv für scharfe Bilder. Nach mehrmaligem tiefem Einatmen löst man die Kamera nach dem Ausatmen direkt aus.

3. Die Kamera abstützen

Ein einfaches Mittel, die Fotokamera zu stabilisieren, ist es, sie am Gesicht abzustützen und die Arme auf einem Geländer, einer Bank usw. aufzulegen. Das bringt weitere Stabilität und ist eine Alternative zum Stativ, das vielleicht nicht in jeder Situation zur Verfügung steht.

4. Kamera-interne Schärfeeinstellungen

Viele Kameras ermöglichen Bildeinstellungen, die schon intern mit der Kamera-Software verarbeitet werden. Die erzeugten JPG-Fotos werden mit den gewählten Voreinstellungen auf der Speicherkarte abgelegt. Je nach Hersteller kann man so auch schon den gewünschten Schärfegrad nach Geschmack einstellen. Allerdings sollte man es dabei nicht übertreiben, denn überschärfte Fotos sehen nicht gut aus und sind technisch gesehen beschädigt.

5. Stativ verwenden

Stative gibt es in allen möglichen Variationen und Materialien. Für jeden Einsatzzweck ist etwas dabei. Einbeinstative oder Modelle mit drei Beinen findet man häufig. Vier Beine sind seltener. Speziallösungen mit Saugnäpfen oder flexiblen Beinen bieten ebenfalls den Vorteil einer festen und ruhigen Kameraposition. Für mehrere deckungsgleiche Aufnahmen und Vermeidung der Verwacklungsunschärfe sind Stative weit verbreitete und zuverlässige Helfer. Schnellwechselplatten ermöglichen es, die Kamera in Sekundenschnelle auf das Stativ einzurasten und schnell wieder zu entfernen. Libellen oder Wasserwaagen ermöglichen eine präzise Ausrichtung und Bildkomposition.

6. Sicherer Stand mit den Füßen

Tänzelnde Fotografen, die unruhig auf Zehenspitzen stehen oder ihren Körper hin und her bewegen, sind prädestiniert für unscharfe Fotos. Besser ist es, die Beine und Füße so zu stellen, dass sie die Aufgabe eines Stativs nahezu übernehmen können. Dazu stellt man die Füße in T-Stellung auf und geht leicht in die Knie. So erreicht man einen sehr stabilen Stand, was längere Belichtungszeiten ermöglicht und Verwacklungsunschärfe minimiert.

7. Die Haltung der linken Hand

Bei einer SLR- oder DSLR-Kamera halten viele Fotografen die linke Hand so, dass der Daumen unter dem Objektiv sitzt und die Finger der linken Hand das Objektiv oben umschliessen. Das führt zu einer leicht wackeligen Haltung. Vorteilhafter ist es, das Objektiv in die linke Handfläche und den vier Fingern zu legen und den Daumen oberhalb des Objektivs. So liegt das Gewicht der Kamera auf vier statt nur einem Finger, was die Stabilität ebenfalls erhöht und schärfere Fotos ergeben kann.

8. Selbstauslöser oder Timer benutzen

Um die Kamera nicht beim Druck auf den Auslöser zu verreißen, ist es sinnvoll, den Selbstauslöser des Smartphones oder der Kamera zu benutzen. So bleibt die Kamera erschütterungsfrei und Sie verwackeln die Aufnahme nicht. Gerade bei schwierigen Lichtsituationen wie abends kann dies sehr hilfreich sein.

9. Optischen Bildstabilisator verwenden

Hochwertige Kameras haben im Gehäuse oder im Objektiv Bildstabilisatoren, die Verwacklungen minimieren sollen. So können längere Belichtungszeiten oder eine geschlossenere Blende realisiert werden. Vergewissern Sie sich aber, dass der Bildstabilisator auch eingeschaltet ist. Wenn Sie ein Stativ benutzen, sollten Sie ihn allerdings deaktivieren, da er dann nicht gut funktioniert, aber auch nicht gebraucht wird.

10. Der Moment der Schärfe

Wenn Sie zum Beispiel Personen in Bewegung fotografieren, sollten Sie stets den Sucher am Auge haben, die Personen genau beobachten und die Bewegungsmuster studieren. Ein schaukelndes Kind sollten Sie möglichst am höchsten Punkt fotografieren, da hier die Bewegung gleich null ist und die Gefahr der Bewegungsunschärfe damit am geringsten. Auch einen Basketballer kann man am schärfsten abbilden, wenn er gerade in der Luft steht, also nicht im Aufsteigen oder Herunterkommen. Nutzen Sie den Moment der Schärfe für knackscharfe Fotos.

11. Möglichst kurze Verschlusszeiten einstellen

Die Gefahr der Bewegungsunschärfe oder von Verwacklungen sinkt mit kürzerer Belichtungszeit des Bildes. Ein grober Richtwert für eine gute Belichtungszeit ist der Kehrwert der Brennweite. Wenn Sie zum Beispiel bei 60mm Brennweite fotografieren, wäre mindestens 1/60s Sekunde ein guter Wert. 1/100s wäre allerdings noch besser, weil kürzer belichtet. Bei Teleobjektiven von 200mm sollte man ohne Bildstabilisator schon Belichtungszeiten von 1/200s oder noch kürzer verwenden. Sollten Sie unscharfe Bilder produziert haben, schauen Sie in den Metadaten des Fotos doch einmal auf die Belichtungszeit und die Brennweite und Sie haben damit vielleicht schon den Grund für die nicht gewollte Unschärfe gefunden.

12. Verzichten Sie auf unnötige optische Filter

Immer wieder sehe ich Fotografen, die zum Schutz ihres teuren Objektivs einen billigen UV- oder Skylight-Filter vor die Frontlinse geschraubt haben. Dazu sollte einem bewusst sein, dass jedes weitere Glas im Strahlengang des Fotos eine Bildverschlechterung mit sich bringen wird. Auch teurere Filter ab 100€ lösen dieses Problem nicht. Machen Sie einmal einen Vergleichstest bei identischen Fotos mit und ohne Filter und Sie werden sich wundern, wie viel schlechter das Bild damit sein kann. Dies ist aber auch logisch, denn kein Objektivhersteller kann ahnen, welchen Filter der Fotograf noch vor das Objektiv schraubt – ganz sicher ist dieser nicht optimal auf jedes Objektiv abgestimmt und hat die gleiche Güte und Qualität. Verzichten Sie also möglichst auf unnötige optische Filter, außer sie sind zum Beispiel bei Glasspiegelungen notwendig (Polfilter).

13. Immer die Gegenlichblende / Streulichtblende verwenden

Die „Gelis“ bieten einen guten Schutz des Objektivs vor mechanischer Einwirkung und auch Regentropfen. Viel wichtiger ist aber die Vermeidung von einfallendem Streulicht in das Objektiv. Ähnlich wie bei einer Schirmmütze bietet sie so einen Schattenbereich, der kontrastreiche und scharfe Fotos ermöglicht. Ich verwende die Gegenlichtblende IMMER, egal ob ich im Studio oder draußen fotografiere. Die Nutzung ist mir in Fleisch und Blut über gegangen, auch wenn es anfangs etwas nervig war. Aber im Sinne guter Bildqualität in allen Lichtsituationen ist die montierte Gegenlichtblende ein Muss!

14. Spiegelverriegelung / Spiegelvorauslösung

Eine Funktion, die in vielen DSLRs ein ungenutztes Schattendasein fristet, ist die Möglichkeit, den harten Spiegelschlag und die damit unerwünschten Vibrationen von Spiegelreflexkameras zu minimieren. Der Zugang zu dieser Funktion ist meist in den tieferen Einstellungen der Kamera versteckt und damit nicht so einfach zugänglich. Beim ersten Druck auf den Auslöser klappt der Spiegel hoch und man sieht damit nichts mehr im Sucher. Beim zweiten Druck auf den Auslöser klappt der Spiegel dann sanft wieder runter nachdem der Verschlussvorhang den Sensor korrekt belichtet hat. Nicht nur bei Langzeitbelichtungen in der Nacht kann man hier einen deutlichen Schärfezuwachs erkennen.

15. Leiser Aufnahmemodus / Slow Shutter

Eine weitere Expertenfunktion schärfere Bilder zu erreichen ist der leise Aufnahmemodus. Im Gegensatz zur Spiegelverriegelung ist diese Funktion meist nur in den Topmodellen der Kamerahersteller zu finden und funktioniert mit nur einem Druck auf den Auslöser. Einmal aktiviert drückt man den Auslöser nach dem Scharfstellen langsam herunter, was den Spiegel hochklappen lässt. Erst beim langsamen Loslassen des Auslösers klappt der Spiegel dann wieder herunter. Das Hoch und Herunterklappen des Spiegels während der Belichtung ist im leisen Betriebsmodus also spürbar verlangsamt, was tatsächlich zu schärferen Fotos führen kann. Probieren Sie es doch einfach mal aus! Ach so, der leise Betriebsmodus ist primär eigentlich dafür gedacht, um bei Hochzeiten und in leisen Situationen nicht durch das laute Klacken der Kamera zu stören. Die höhere Bildschärfe ist dabei nur ein sehr angenehmer Nebeneffekt.

16. Objektive hoher Güte und Qualität bringen mehr Schärfe

Was sicher nicht jeder preisbewusste Fotograf gerne hören oder lesen will, ist die Tatsache, dass teurere Linsen tatsächlich eine höhere Abbildungsleistung haben als preiswerte Objektive. Gerade im Randbereich sind Superzooms von Billigherstellern matschig und unscharf. Je größer der Brennweitenbereich eines Objektivs ist, desto mehr optische Linsenelemente sind dort in der Regel verbaut. Man kann sich sicherlich leicht vorstellen, dass also Objektive mit weniger Linsen und Gläsern höherer Qualitätsgüte auch schärfere Fotos erzeugen. Demzufolge sind Festbrennweiten mit wenigen optischen Elementen auch qualitativ die besten Objektive. Aber auch hier bekommt man umso bessere Qualität für einen höheren Preis. Ausnahmen bestätigen wie immer diese Regel 😉

17. Fokus Feinjustierung und Abstimmung auf den Kamerabody

Kameragehäuse und Objektive aller Art unterliegen produktionstechnischen Fertigungstoleranzen. Meistens funktionieren verschiedene Objektiv-Kamera-Konstellationen auch problemlos und der Fokus sitzt immer sicher und an der richtigen Stelle. Allerdings haben auch viele Nutzer mit einem Front- oder Backfokus-Problem zu kämpfen, weil die Herstellungstoleranzen hier eben nicht immer gut zusammen passen. Dazu kann man Originalobjektive und den Body beim Kameraservice aufeinander abstimmen und kalibrieren lassen. Mittlerweile bieten einige Kameramodelle aber auch die Möglichkeit, jedes Objektiv einzeln auf die Kamera abzustimmen, ohne dass man sein Equipment beim Herstellerservice abgeben muss. Das sogenannte Micro-Adjustment kann Frontfokus- oder Backfokus-Probleme wirksam korrigieren wie ein Dioptrienausgleich am Okular des Suchers. Aufbauten mit hintereinander aufgestellten Schrauben oder Schärfe-Messhilfen finden sich zuhauf im Netz.

18. Solider und schwingungsarmer Fussboden für Stativnutzung

Ein Kamerastativ ist ein sinnvolles Zubehörteil für scharfe Fotos, allerdings nur dann, wenn der Untergrund fest ist und nicht schwingt. Alte Holzfußböden oder Dielen bewegen sich so sehr, dass die Kamera wackelt, wenn eine Person durch den Raum läuft und so den Vorteil eines Stativs wieder zunichte macht. Mancher Studioinhaber kommt auch auf die Idee, Laminat auf Teppich zu legen, was zwar eine gute Trittschalldämmung und Wärme bringt, aber ebenfalls stark in Schwingung gerät. Ein Betonfußboden, evtl. mit einem Vinyl- oder PVC-Belag, ist hier die bessere aber auch teurere Variante.

19. Den Auslöser erst halb, dann ganz durchdrücken

Aus Bequemlichkeit und weil es einfach schneller gehen soll, drücken manche Fotografen und Fotografinnen den Auslöser direkt ganz durch und vertrauen auf die richtige Scharfstellung der Kamera. Dabei bleibt bei dieser Vorgehensweise die Kontrolle des richtigen Schärfepunktes auf der Strecke. Viel besser ist es, den Auslöser erst halb zu drücken, die Scharfstellung auf das richtige Motiv zu kontrollieren und dann erst das Bild zu machen. So ist es vom Kamerahersteller eingerichtet und auch sinnvoll, wenn man die Kontrolle über die Schärfe der eigenen Fotos behalten will. Nehmen Sie sich diese wertvolle halbe Sekunde Zeit dafür.

20. Schärfekontrolle durch Mitzieheffekt bei schneller Bewegung

Sollten Sie zum Beispiel an einer Straße stehen und einen Radfahrer oder ein Fahrzeug fotografieren wollen, hilft es, die Kamera beim Auslösen mitzuziehen. Dadurch nimmt man mit dem Kameraschwenk quasi die Geschwindigkeit des Motivs auf, was Unschärfe auf dem Motiv vermindert und einen schönen Verwischeffekt auf dem Hintergrund ergeben kann. Damit hebt sich das fahrende Objekt deutlich vom Hintergrund ab und es ergibt sich eine schöne und dynamische Freistellung des Motivs vom Hintergrund. Das klappt nicht mehr bei zu kurzen Belichtungszeiten, trauen Sie sich daher auch etwas länger zu belichten und verbessern Sie Ihre Ergebnisse durch Trainieren und viele Fotos.

21. Schärfentiefe als kreatives Gestaltungsmittel

Nach den Gesetzen der deutschen Wortbildung heißt es eben nicht Tiefenschärfe, sondern Schärfentiefe, auch wenn sich der falsche Begriff hartnäckig in der Fotobranche hält. Die Ausdehnung der Schärfe vom Fokuspunkt nach vorne und hinten wird durch die Blendenöffnung, den Motivabstand, die Brennweite und die Sensorgröße beeinflusst. Wer das Foto von vorne bis hinten scharf haben will, braucht also eine hohe Schärfentiefe. Diese ergibt sich beim weiten Abblenden auf hohe Blendenwerte, eine niedrige Brennweite, einen hohen Motivabstand und eine kleine Sensorgröße. Eine geringe Schärfentiefe dagegen betont das scharf gestellte Element und kann erreicht werden durch eine große Blendenöffnung, eine hohe Brennweite, einen geringen Motivabstand und einen großen Bildsensor.

22. Richtigen Fokussierbereich am Objektiv einstellen

Manche Objektive besitzen einen Nahbereich und einen Fernbereich zum Fokussieren. Je nach Motivabstand muss man also den jeweiligen Bereich zuvor am Objektiv einstellen, damit das Autofokussystem gut arbeiten kann. Das EF 70–200 2.8L von Canon zum Beispiel hat einen Umschalter von 1,2m und ab 2,5m Motivabstand.

23. Ist Blitzlicht schärfer als Dauerlicht?

Ganz so einfach ist die Frage nicht zu beantworten, denn man kann natürlich auch mit Dauerlicht in der Sonne und kurzen Verschlusszeiten sehr scharfe Fotos produzieren oder mit Stativ und längeren Belichtungszeit auch im Studio bei Dauerlicht. Wer aber oft in schlechten Lichtsituationen arbeitet und auch Personen fotografiert, der wird es beim Blitzen einfacher haben, die nötige Bildschärfe zu erzielen. Bei Dunkelheit können extrem kurze Abbrennzeiten der Blitze auch für Hochgeschwindigkeitsaufnahmen eingesetzt werden. Die Abbrennzeiten variieren allerdings je nach Hersteller und eingesetztem Blitzsystem sehr deutlich. Allgemein gesagt kann der kurze Lichtimpuls durch das Blitzen in bestimmten Lichtsituationen für die nötige Knackschärfe sorgen. Faustformel: Je teurer das Blitzsystem ist, desto kürzer sind die Abbrennzeiten. China-Böller brennen langsamer ab (Blitzen länger) als Broncolor, Hensel oder Profoto.

24. Höhere Schärfewahrnehmung für kontrastreiches Licht

Die Richtung des Lichts das auf Hauptmotiv und Hintergrund fällt, sorgt für einen unterschiedlichen Schärfeeindruck. So wirkt frontales Licht platt und eher unscharf, auch wenn der Fokus sitzt. Gegenlicht oder seitliches Streiflicht sorgt für große Hell-Dunkel-Kontraste und wirkt somit schärfer. Auch die Härte des Lichts beeinflusst die Schärfewahrnehmung. Hartes Sonnenlicht wirkt schärfer als weiches Studiolicht aus einer Softbox.

25. Niedrige ISO Empfinglichkeit für höhere Bildschärfe

Die Schärfe hat bei fast allen Fotos eine zentrale Bedeutung darüber, ob man das Foto als gelungen bezeichnen kann oder nicht. Bildschärfe ist auch eine Eigenschaft, die Laien leicht beurteilen können. In schlechten Lichtsituationen ist es sehr hilfreich, die ISO-Zahl zu erhöhen, um überhaupt ein vernünftiges Foto aufzunehmen. Je nach Qualität des Sensors, des Objektivs und dem Bildprozessor der Kamera, kann die Bildschärfe schon ab ISO 800 deutlich nachlassen. Hier sollte jeder Fotograf ausprobieren, bis zu welchen ISO-Werten seine Kamera noch ausreichend scharfe Fotos zur Verfügung stellt. Extrem hohe ISO-Werte sind je nach Hersteller und Entwicklungsgrad des Bodies verrauscht und unscharf.

26. Die Hyperfokaldistanz nutzen

Für Fotos mit einem Schärfebereich vom Objekt bis zur Unendlichkeit kann man die Hyperfokale Distanz berechnen. Hierzu gibt es verschiedene Rechner im Netz und eine „Unendlich“-Einstellung am Objektiv.

27. Lichten Sie ein scharfes Motiv ab

Wenn Sie alle hier erwähnten Schärfetipps beherzigen, können Sie Ihre Fotoarbeiten noch durch ein scharfes Motiv krönen. Ob Sie allerdings lieber Peperoni oder eine hübsche Frau in sexy Dessous fotografieren, liegt bei Ihnen 🙂

28. Schärfekontrolle auf dem Kameradisplay

Wenn Sie ein Bild aufgenommen haben, sollten Sie sofort die Schärfe kontrollieren, um das Bild gegebenenfalls zu wiederholen. Dabei sollten Sie beachten, dass auch bei DSLRs die Schärfekontrolle bei RAW-Dateien nur bedingt erfolgen kann, weil stets nur das in das RAW eingebettete JPG angezeigt wird. In jedem Fall ist es notwendig, den Anzeigezoom zu nutzen, weil die eingebauten Displays einfach zu klein sind, um die Bildschärfe verlässlich überprüfen zu können. Wenn es wirklich wichtige Fotos sind, dann können Sie die Schärfe besser an einem Laptop oder angeschlossenen HDMI-Monitor prüfen.

29. Sportmodus /Fokusservo abschalten

Für Sportaufnahmen oder sich schnell bewegende Motive ist der Sportmodus ein Segen, weil es kaum möglich ist, zuverlässig manuell scharf zu stellen, wenn sich ein Objekt schnell auf die Kamera zu bewegt. Allerdings gibt es doch einen gewissen Ausschuss bei dieser Methode und wenn sich das Bildmotiv nicht zu schnell bewegt, ist der One-Shot-Modus, also die einmalige Fokussierung je nach Kamera oft die bessere Methode. Dazu müssen Sie Ihre Kamera aber genau kennen.

30. Kamera Verschieben, nicht schwenken!

Ein beliebter Fehler bei offenblendigen Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe ist, dass die Kamera nach dem Fokussieren des Motivs geschwenkt wird, um die Bildkomposition vorzunehmen. Dabei kann der Schärfepunkt bei halb gedrücktem Auslöser wandern, ohne dass man es merkt. Wenn man beispielsweise auf die Augen einer Person fokussiert und dann herunter schwenkt für eine Ganzkörperaufnahme, dann kann es sein, dass der Fokus nun leicht hinter der Person liegt. Bei offener Blende und Telebrennweite von 200mm beträgt der Schärfebereich oft nur wenige Millimeter, die dann den Unterschied machen zwischen einem knackscharfen und einem nur mäßig scharfen Foto. Um diesen Effekt zu vermeiden, schwenkt ein guter Fotograf die Kamera nicht, sondern verschiebt sie auf der Achse des zuvor gewählten Fokuspunktes. Das kann zwar ins Kreuz gehen, macht aber schärfere Bilder.

31. Versuchen Sie nicht cool zu wirken, sondern cool zu sein

Gelassenheit und Souveränität sorgen für einen niedrigen Blutdruck beim Shooter. Abgesehen von der professionelleren Außenwirkung ist die Ruhe eines Schützen auch für Fotografen von Vorteil. Lassen Sie sich auch von der Hektik des Umfelds nicht anstecken, sondern sorgen Sie für scharfe Ergebnisse.

32. Gesunde und fitte Fotografen machen schärfere Bilder

Gerade wenn man nicht im Studio, sondern on location unterwegs ist, hat ein sportlicher Fotograf Vorteile. Manchmal muss man eine Strecke zu Fuß zurücklegen, Equipment schleppen, klettern oder sonst was tun, um die gewünschten Perspektiven und Bilder zu bekommen. Bei mangelnder Fitness ist der Puls zu lange in einem Bereich, bei dem es einem schwer fällt, die Kamera völlig ruhig zu halten. Ein Puls deutlich unter 100 Schlägen und ein damit niedrigerer Blutdruck ist außerdem hilfreich für die Konzentration und Sauerstoffversorgung, die für gute und scharfe Fotos nötig ist.

33. Objektive bei den Blendenwerten nicht voll ausreizen

Ein Fahrzeug hat bei Höchstgeschwindigkeit nicht mehr die besten Fahreigenschaften, genau so ist es bei Objektiven. Man sollte die kleinste und größte Blendenöffnung für eine maximale Bildqualität nicht nutzen. Denn weder bei Offenblende noch bei völlig geschlossener Blende haben die Objektive die beste Abbildungsleistung, sondern erst ab ca. Blende 4 bis 16. Auch wenn man F2.8 oder bei Makroobjektiven F32 nutzen könnte, ist die Randunschärfe bei diesen Extremen ein Qualitätsmangel. Nicht ganz so deutlich ist das Nachlassen der Qualität bei den Endanschlägen der Zoombereiche. Sowohl die minimale wie auch die maximale Brennweite eines Zoomobjektivs kann mit kaum wahrnehmbarer Qualitätsminderung genutzt werden.

34. Sagen Sie der Person, dass Sie Fotografieren und nicht Filmen

Übereifrige Models oder unerfahrene Personen neigen im Lampenfieber dazu, ständig in Bewegung zu sein und Posen einfach schnell hintereinander abzuspulen. Wenn mir das zu hektisch und zu schnell geht, sage ich immer: „Hey, wir machen Fotos, keine Videos.“ Immer dann, wenn ich auf den Auslöser gedrückt habe, darf und soll die Person Kleinigkeiten im Ausdruck und der Pose ändern, damit nicht alle Fotos zu ähnlich aussehen. Da ich meist mit Blitz arbeite, ist das Auslösen für die fotografierten Personen leicht wahrzunehmen. Das heißt, die fotografierte Person gibt Ihnen durch Stillhalten ebenfalls die Chance auf scharfe Fotos.

35. Immer die höchste Kameraauflösung benutzen

Je mehr Pixel ein Foto hat, desto mehr Details und Schärfe kann es enthalten. Daher sollten Sie immer die höchste Bildqualität nutzen, denn Sie wissen beim Fotografieren manchmal nicht, was der Kunde mit den tollen Bildern noch so anstellen will. Schlimm wäre es, wenn Sie versehentlich in kleinster JPG-Auflösung fotografieren, dann passt zwar ein Vielfaches der Bildmenge auf die Speicherkarte, aber die Schärfe geht den Bach herunter.

36. Nur die Kreuzsensoren nutzen, für präzise Fokussierung

Auch wenn Ihre teure DSLR-Kamera viele frei anwählbare Fokuspunkte besitzt, sind nicht alle davon hochpräzise Kreuzsensoren. Zum Bildrand hin werden die Sensoren weniger empfindlich. Erkundigen Sie sich, wie viele Kreuzsensoren Ihre Kamera besitzt und verwenden Sie vorzugsweise den mittleren und die naheliegenden.

37. Und wenn das Alles nicht geholfen hat, hilft Photoshop

Die Nachschärfung eines Bildes am PC sollte nur minimal ausfallen. Bei Massenproduktionen kann man zwar mit Aktionen/Makros arbeiten, aber wer will das schon. Der Sinn dieses Artikels ist, dass Fotografen von Anfang an so scharf wie möglich fotografieren. Ich bin immer wieder verwundert, mit welcher mäßigen Fotoqualität sich Fotografen zufrieden geben – mit dem Argument, dass man ja eh noch in Photoshop nachschärfen würde. Ein guter Koch vertraut aber nicht auf Maggi, sondern auf eine gute Zubereitung und seine Kochkenntnisse, um einen guten Geschmack zu erzielen.

38. Unscharfe Fotos kommen in die Tonne oder Kunstausstellung

Zahlende Auftraggeber werden keine unscharfen Fotos akzeptieren, allenfalls als Ausnahmen, wenn ein Bild emotional besonders wertvoll ist. Aber künstlerisch wertvolle Fotos lassen sich selten am Fließband produzieren – das Gleiche gilt für Meisterwerke.

39. Objektive Schärfemessung mit der Dateigröße

Der Schärfeeindruck eines Bildes ist oftmals subjektiv und vielfach sind es nur Nuancen, die den Unterschied ausmachen. Wenn man die Schärfe von Objektiven vergleichen möchte, gibt die Dateigröße des JPG-Bildes einen Hinweis, welches Bild schärfer und detailreicher ist. Voraussetzung ist, dass der Messaufbau mit Stativ, Brennweite, Blende und Licht beider Vergleichsbilder absolut identisch sind.

40. Scharfe Studiotipps für die Lichtsetzung

Um das Licht genauer auszurichten und Streulichteinfall zu minimieren, kann man sich im Studio verschiedener Hilfsmittel bedienen. Schwarze Abschatter helfen, Gegenlichteinfall in die Kamera zu vermeiden, was den Schärfeeindruck erhöhen kann. Wabeneinsätze in Reflektoren oder Softboxen richten das Licht genauer aus und sorgen für einen hohen Motivkontrast. Polfilterfolien haben einen ähnlichen Effekt, sind aber schwieriger zu handhaben.

41. Sichten Sie Ihre unscharfen Fotos und suchen Sie die Gründe

Um als Fotograf besser zu werden, ist es immens wichtig, seine eigenen Arbeiten zu prüfen und nach Verbesserungspotential zu suchen. Sicherlich haben Sie schon mal Bilder aus Ihrer Kamera gesehen, deren Schärfe nicht befriedigend war. Nur wenn Sie sich die Metadaten des Bildes ansehen und die Umstände des Shootings genau analysieren, werden Sie mit dem Wissen dieses Schärfe-Guides ermitteln können, was zu der Unschärfe geführt hat. Viel Erfolg dabei!

42. Eine spiegelose Kamera verwenden?

Auch spiegellose Kameras wie zum Beispiel von Sony stoßen mittlerweile in den professionellen Bereich vor. Ob diese Art Fotoapparate für Sie in Frage kommt, sollten Sie selber testen. Ich möchte an dieser Stelle weder eine Empfehlung aussprechen noch davon abraten. Die Ergebnisse dieser Art Kameras werden immer beachtenswerter. Und hier erzeugt auch kein schnell klappender Spiegel unschöne Vibrationen, was für die Schärfe ein großer Vorteil ist. Das Auflagemaß, also der Abstand von Sensor zur Befestigungsfläche des Objektivs, ist auf Grund des fehlenden Spiegels geringer und somit günstiger als bei Spiegelreflexkameras.

43. Wahre Bildschärfe steckt in der Printversion, nicht Webversion

Bildqualität und Schärfe lassen sich am besten bei voller Printauflösung beurteilen. In der Regel sind Webfotos klein skaliert und stark komprimiert für eine schnelle Datenübertragung. Gute Monitore stellen Fotos meist mit weniger als 100ppi (pixel pro inch) dar, Labore und Druckereien drucken oft mit 300dpi (dots per inch) und mehr. Prüfen Sie Ihre Bildschärfe am Monitor immer im 100%-Ansichtsmodus, denn hier stimmt ein Bildpixel mit einem Monitorpixel überein, alle Zwischenzooms sind dagegen leicht verfälscht.

44. Fotos im RAW Modus abspeichern, nicht im JPG Modus

Der RAW-Modus ist gebrauchsfertigen JPGs deutlich überlegen, auch was die Schärfenoptimierung angeht. Mit der Kamera JPGs abzuspeichern, ist nur dann sinnvoll, wenn man die Fotos unbearbeitet verwenden möchte. Wenn man eh aus einem Foto ein Bild macht und es am Rechner digital entwickelt, bietet das RAW-Format eine umkomprimierte Bilddatei und wesentlich höhere Dynamik und Farbumfang. Auch Bildkorrekturen lassen sich besser vornehmen, weil mehr Informationen im Foto abgespeichert sind und nur die Rohdatei quasi das digitale, unverfälschte Abbild vom Sensor ist. Bezüglich Schärfe lassen sich hier teils umfangreiche Einstellungen direkt an der Rohdatei vornehmen und diese können anders als bei JPG jederzeit rückgängig gemacht werden – ohne Verluste. Nur das Rohbild zeigt die tatsächliche Fotoqualität und Bildschärfe der Kamera, JPG-Fotos sind komprimiert und bereits durch die Kamera verändert abgespeichert, je nach den getroffenen Einstellungen im Bedienmenü.

Fazit:

Professionell wirkende und scharfe Fotos und Bilder zu erzeugen, ist von sehr vielen Faktoren abhängig, wie dieser ausführliche Artikel zeigt. Laien sind oft der Meinung, dass man nur eine gute Kamera braucht, aber dem ist bei Weitem nicht so. Ich hoffe, dass ich Ihnen zumindest das Thema Bildschärfe näher bringen konnte. Dabei gibt es für gute Bilder noch viel mehr, wie Bildkompositionen, Farben und die Nachbearbeitung zu beachten.

Ihr Marco Wydmuch, Copyright 15.11.2014

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