Farbe, wechsel dich! Sind digitale Umfärbungen die Lösung?

Sowohl als Porträt-Fotograf, als auch im Produktfotostudio hat man mit dem Thema Farbmanipulation und Umfärbungen zu tun.

Im Zeitalter digitaler Bildbearbeitung stellen unsere Kunden immer wieder die Frage, ob bei verschiedenen Farbvarianten der Artikel nicht ein einziges Foto reichen würde und der Rest leicht umgefärbt werden kann.

In meinem Arbeitsalltag habe ich oft mit einer großen Variation von Modellen beispielsweise von Polstern oder Bilderrahmen, von Bettwäschen oder anderen farbintensiven Produkten zu tun. Um eine gewisse Exaktheit und einen perfekten Look der unterschiedlichen Bilder zu erzielen nehmen viele Shops die Hilfe von unserem Freund und Helfer Photoshop in Anspruch. Hier bieten sich Umfärbungen an. Für einen Berufsfotografen ist dies in der Regel kein Problem. Auch Augen- und Haarfarben bei Personen sind da keine Ausnahme und können meist ohne zu großen Aufwand umgefärbt werden.

Worauf sollte ich achten, wenn ich Farben verändere?

Im besten Fall arbeitet man bei Umfärbungen mit einer verlustfreien Methode. Das heißt, wir nutzen sogenannte Bearbeitungs- oder Korrekturebenen. Hier wird automatisch eine weiße Maske (Weiß=Sichtbarer Effekt, Schwarz=kein Effekt)  über den Hintergrund gelegt ohne diesen zu verändern. Mit dem Pinsel Werkzeug kann man auf dieser Ebene nun jene Bereiche ausfüllen auf die sich unsere Einstellungen übertragen sollen.

Professionelle Umfärbungen mit Photoshop

Farben verändern mit Photoshop

Nicht alle Farben eignen sich gut für eine Umfärbung – Das bedeutet, dass je nach Material und Struktur, nicht jede Farbe optimal umgefärbt werden kann. Grundlegend sind kräftige Farben, wie die Grundfarben des digitalen RGB Farbspektrums (= Rot, Grün, Blau) gut geeignet. Auch möglich sind Einfärbungen von Grautönen. Je nach Helligkeit und Nuance der Zielfarbe müssen jedoch mehrere Arbeitsweisen kombiniert werden. Weiße, schwarze oder graue Artikel eignen sich nicht so gut für Umfärbungen, da sie ja selbst nicht farbig sind.

Generell sollte man darauf achten bei jeder Bearbeitungsmethode auf Farbabrisse (Color Banding) zu achten, sowie Rauschen, welches schnell entstehen kann wenn ein Bereich „überbearbeitet“ wird. Ebenfalls ist es gerade bei extremen Veränderungen wie Schwarz und Weiß  besonders wichtig eine genaue Selektion zu machen.

Umfärbungen mit Photoshop: Möglichkeiten

Wer mit der Arbeitsfläche von Photoshop vertraut ist, dem werden folgende Schaltflächen bereits bekannt sein:

Wesentlich für die Arbeit an Farben sind die folgenden Optionen:

Menü > Bild > Korrekturen >Farbton/Sättigung 

Der Farbton/Sättigung-Dialog bietet die praktische Möglichkeit genau auszuwählen welcher Farbbereich in die Umfärbung einbezogen werden soll. Hier gibt es Regler sowohl für Farbton, Sättigung und die Helligkeit der gewünschten Farbe. Farblose Bereiche werden durch diese Regler nicht beeinflusst, außer man wählt das icon „Färben“ an. Mit der Farbpipette kann man auch den umzufärbenden Farbton auswählen. Danach grenzt man mit den unteren Schiebereglern die Farbauswahl ein.

Menü > Bild > Korrekturen > Gradationskurven 

Eine Gradationskurve stellt die Tonwert-Verteilung eines Bildes grafisch dar. Im RGB-Modus zeigt die Kurve  die dunklen Bereiche links unten und die hellen Bereiche rechts oben an. Man kann Kontraste, sowie die Helligkeit steuern und Tonwerte neu verteilen. Die Gradationskurven sind dann relevant, wenn man eine Farbe besonders aufhellen oder abdunkeln will. Damit sind Schwarz und Weiß oder sehr dunkle Nuancen von Braun, Blau, Anthrazit o.Ä. gemeint. Gerade hierbei ist eine genaue Auswahl essenziell, da sonst sehr deutliche und unschöne Ränder entstehen, die unsere Illusion sofort zunichte machen würden. http://www.webmasterpro.de/design/article/photoshop-gradationskurven-verstehen.html

Menü > Bild > Korrekturen > Tonwertkorrektur

Ähnlich wie die Gradationkurve funktioniert auch die Tonwertkorrektur unabhängig von der Struktur des Bildes und wirkt sich auf die Helligkeitsverteilung im Foto aus. Auch hier sieht der Benutzer ein Histogramm vor sich und kann Tiefen, Lichter sowie den Tonwertumfang variieren. Es gibt ebenfalls die Möglichkeit die einzelnen Kanäle separat anzupassen. Der wesentliche Unterschied zu den Gradationskurven ist der weniger extreme Effekt und für Anfänger ist diese Methode besser geeignet, da das Bild weniger schnell überzeichnet wirkt.

Menü > Bild > Korrekturen >Farbbalance

Oft sind es nur Nuancen, die den Unterschied machen. Bei unserer täglichen Arbeit im Fotostudio lernt man schnell, dass selbst Grau nicht gleich Grau ist. Die Farbbalance-Korrektur ist optimal, um schnell einen allgemeinen Farbstich zu entfernen oder hinzuzufügen. Hierbei stehen sich nun CMY (Cyan, Magenta, Gelb) und RGB (Rot, Grün, Blau) entgegen. Man kann sich entscheiden, ob sich die Korrektur auf die Mitteltöne oder die Tiefen/Lichter auswirken soll.

Selektion – Welche Alternativen habe ich?

Bei der Selektion gibt es folgende Möglichkeiten, mit denen man sich auseinander setzen kann. Schließlich muss man Photoshop ja mitteilen, welchen Farbbereich man verändern möchte, um die Voraussetzungen für Umfärbungen zu schaffen.

Menü > Auswahl > Farbbereich, für Umfärbungen

Hier lässt sich ganz einfach mit der Pipette eine Farbe auswählen, sowie die Toleranz einstellen, also den zulässigen Betrag der Abweichung  von den ausgewählten Pixeln. Dies ist in bestimmten Fällen eine sinnvolle Möglichkeit schnell und unkompliziert eine Auswahl zu erstellen, jedoch nicht immer zuverlässig und exakt genug. Gerade bei Umfärbungen kann man diese Art der Selektion gut anwenden, auch wenn gegebenenfalls kleinere Nachbesserungen erforderlich sind.

Schnellauswahl oder Zauberstab

Das Schnellauswahl Tool orientiert sich an harten Kanten und Kontrasten. Der Vorteil dieser Technik ist der geringe Arbeitsaufwand, sie ist  jedoch nicht immer genau genug und sauber. Über die Funktion „Auswählen und Maskieren“ aka. „Kante verbessern“ kann die Kante im Nachhinein noch abgerundet oder weichgezeichnet werden. Das Schnellauswahl Werkzeug erfordert wie die meisten Werkzeuge etwas Einarbeitung und Erfahrung. Mit gedrückter ALT Taste kann man zu viel ausgewählte Bereich wieder subtrahieren.

Hinter dem Zauberstab steckt im Grunde gar nicht so viel Zauberei. Tatsächlich kann der Nutzer selbst bestimmen, wie hoch die Toleranz dieses Werkzeuges sein soll. Das bedeutet, die Anzahl der zu berücksichtigen Farbbereiche.

Das Zeichenstift Werkzeug – für Profibearbeiter mega wichtig

Der Zeichenstift oder auch Pfad Werkzeug genannt ist das zuverlässigste und exakteste Werkzeug, um eine Selektion zu erstellen. Zudem ist es das einzige Tool, welches die Bildpixel „durchschneiden“ kann. Bei den meisten anderen Selektionsmethoden fällt schnell eine gewisse „Stufenbildung“ auf, wenn man sehr nah heran zoomt. Nicht so ist es bei dem Zeichenstift. Der Unterschied hierbei ist die Erstellung eines Pfades, auch Vektor genannt. Das bedeutet, man setzt mehrere Ankerpunkte entlang der Kante des freizustellenden Produktes und kann Kurven und Rundungen optimal „nachzeichnen“. Diese Methode beansprucht mehr Zeit und verlangt eine gewisse Erfahrung und Geschicklichkeit vonseiten des Bildbearbeiters.

Das Arbeiten mit Masken ist bei Photoshop  essenziell. Das Prinzip der Masken bzw. der Photoshop-Ebenen, welches vielen Hobby Fotografen verschlossen bleibt, ist im Grunde kein großes Geheimnis. Schwierig wird es bei komplexen Bearbeitungen mit vielen unterschiedlichen Ebenen, die wie Klarsichtfolien übereinander liegen.

Hier gibt es ein Videotraining zu diesem Thema: https://www.video2brain.com/de/videotraining/farbmanipulation-mit-photoshop

Im Allgemeinen gibt es, wie im Leben auch, viele unterschiedliche Möglichkeiten zum Ziel zu kommen. Hierbei muss jeder für sich selbst herausfindet, wie er am besten arbeiten kann. Auch auf Videoplattformen wie YouTube findet man zahlreiche Tutorials zu diesem Thema, die Schritt für Schritt dem Zuschauer erklären wie man diese Tools verwendet: https://www.youtube.com/watch?v=N0YkFcYk7cI

Welche Vorgehensweise ist preiswerter?

Leider kann man das nicht pauschal beantworten. Sie sparen nicht unbedingt Kosten, wenn umgefärbt wird, statt zu fotografieren. Retuschearbeiten in Photoshop müssen auch von gut bezahlten Spezialisten durchgeführt werden. Hier ist der Zeitaufwand von 30 Minuten bis zu 2 Stunden pro Foto teilweise erheblich. Somit können die Kosten für Umfärbungen in manchen Fällen hoher sein, als alle Farbvarianten zu fotografieren.

Fazit: Umfärbungen sind in vielen Fällen möglich und auch sinnvoll. Speziell, wenn beim Online Shopping zwischen einzelnen Farbvarianten hin und her geklickt werden kann. Die Artikelfotos springen dann nicht hin und her, sondern sind völlig deckungsgleich. Das sieht ordentlich und professionell aus. Allerdings gibt es technische Grenzen bei Umfärbungen, zum Beispiel bei komplexen Farbmustern. Dann bleibt nur das klassische Fotografieren. Lassen Sie sich von Glamourpixel beraten.

Ein weiterer passender Artikel ist der über die maximale mögliche Schärfentiefe (nicht Tiefenschärfe!)

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